Es begann als Sport- und Fitnesstrainer
Wie bereits bei meiner Vorstellung geschildert, reicht die Feuerwehr bis in meine Kindheit zurück. Warum ich mich damals nicht bei der Jugendfeuerwehr angemeldet habe, ist mir aus heutiger Sicht schleierhaft.
So wirklich ernsthaft beschäftigt mit dem Thema Feuerwehr habe ich mich dann erst als Erwachsener mit 28 Jahren. Zu dieser Zeit hatte ich gerade erst mein Studium der Sportwissenschaft beendet und durfte nebenberuflich als Sport- und Fitnesstrainer für die hauptamtlichen Kameraden der Feuer- und Rettungswache in Menden aktiv sein.

Gleich zu Beginn meiner Tätigkeit begleitete ich einige Kameraden nach Düsseldorf zum Firefighter Skyrun. Dies ist ein sportlicher Wettkampf, der mich sehr beeindruckt hat.
Aufgrund meiner Fachkompetenz im Bereich der Kampfkünste, führte ich auch einen Lehrgang zum Thema "Selbstverteidigung im Rettungsdienst" durch, denn leider werden die Helfer immer öfter selbst Opfer von Gewalt, sodass wir hier gegensteuern wollten.
Um die Anforderungen im Einsatz besser verstehen zu können, bat ich auch darum, eigene Erfahrungen machen zu dürfen. So kam es dazu, dass ich im Mai 2012 auf einer 24-stündigen Dienstschicht hospitierte. Wie es mir dabei ergangen ist, können Sie in der verlinkten PDF-Datei nachlesen.
Beim Firefighter Skyrun in Düsseldorf geht es darum, in voller Einsatzkleidung inklusive Atemluftflasche auf dem Rücken die Treppen des Rheinturm in Düsseldorf zu erklimmen und das natürlich in einer möglichst schnellen Zeit. (168 Meter - 30 kg Ausrüstung - 960 Stufen)
Wer sich einen Eindruck davon machen möchte, kann sich das nebenstehende Video ansehen.
Funfact: Einer meiner heutigen Kameraden wurde im Video sogar interviewt.
Als ich dieses Event sah, war ich nicht nur begeistert, sondern hatte auch riesigen Respekt vor der Leistung dieser Menschen. Wie ich erfuhr, nennen sich Sportteams der Feuerwehr oft TFA-Team. TFA steht für Toughest Firefighter Alive; deutsch: Härtester lebender Feuerwehrmann.
Für mich als Sportler war dies nicht nur beeindruckend, sondern forderte mich heraus. Das wollte ich auch machen und ich war sofort Feuer und Flamme. Damals durfte ich jedoch noch nicht an den Start gehen, aber meine Zeit sollte kommen...
Ebenfalls in die Zeit als Sporttrainer der Feuerwehr hatte ich die Gelegenheit bei einer ganz besonderen Übung dabei sein zu dürfen. Zu diesem Zweck stand ein LKW bereit, dessen Auflieger mit Gas befüllt werden konnte. Wenn dieses Gas gezündet wurde, rollte eine Feuerwalze auf die Kameraden im Inneren zu.
Geübt werden konnte nicht nur der Flashover-Block, sondern auch, dank einer Rückwand mit Tür, der Einstieg in eine Wohnung. Für den Ausbilder war am Boden
dieser Rückwand ein Aussparung gelassen, sodass er seine Schützlinge im Inneren genau betrachten konnte.
Da ich die Klappe zu weit aufgerissen hatte, durfte ich mir Einsatzkleidung aus der Kleiderkammer holen und mich dann an die Stelle des Ausbilders legen. Ich war fasziniert und gleich mehrere Feuerbälle rasten an diesem Tag über meinen Kopf hinweg. Gewaltig!
Abschließend meinte ein Kamerad, dass es NUR Gas gewesen sei. Dies war schön zum üben, aber habe nichts mit der Realität zu tun. Zudem sei das Szenario mit einer feststoffbefeuerten Anlage (Holz) weitaus imposanter.
Ich wollte das Feuer studieren und aufgrund der Aussage des Kameraden, dass sich es bei der mobilen Anlage NUR um Gas gehandelt habe, suchte ich im Internet nach der Möglichkeit auch den Flashover in einer feststoffbefeuerten Anlage kennenzulernen. Dies gestaltete sich allerdings als äußerst schwierig, da ich noch kein Angehöriger einer Feuerwehr und gemäß FwDV 7 nicht unter Atemschutz ausgebildet war.
Fündig wurde ich schließlich bei Feurex, einer Feuerwehrschule in Bayern. Ich erzählte ihnen von meinen bisherigen Erfahrungen und bat um ein Gespräch.
Der Leiter des Unternehmens stimmte meinem Wunsch zu, aber nur unter der Voraussetzung, dass ich mir eigene Einsatzkleidung mitbringe und alles auf eigenes Risiko mache, sodass das Unternehmen komplett von der Haftung entbunden wäre. Ich stimmte zu!

Wenige Wochen später fuhr ich 2014 nach Bayern, übernachtete in einem kleinen Motel und nahm einen Tag später an einem laufenden Lehrgang des Unternehmens teil.
Der Lehrgangsleiter stellte mich kurz vor und auch ich sagte ein paar Worte zu mir. Die anwesenden Wehrleute schauten mich mit einer Mischung aus Interesse und einem Gesichtsausdruck an, der signalisierte "Du bist bekloppt" bzw. "Du hast gar keine Ahnung worauf Du Dich einlässt. Das ist gefährlich".
Der Lehrgangsleiter erklärte mir, wie ich das Atemschutzgerät zu bedienen habe, denn bisher hatte ich das in meinem Leben noch nie getragen. Zudem sagte er,
dass ich im Container ganz hinten an der Tür zu sitzen hätte, damit man mich im Zweifel schnell rausholen könne. Dann ging es los.

Nachdem ich die gesamte Zeit im Container durchgehalten und mehrere Flashover erlebt hatte, waren die anderen Wehrleute daran interessiert zu erfahren, wie es mir ergangen war. Zudem zollten sie mir alle Respekt.
Ich weiß noch wie ich sagte: "Wenn jemals wieder einer meiner Feuerartisten zu mir sagt, dass was wir mit Feuer machen, ist heiß, dann sage ich, dass diese Person gar keine Ahnung habe."
Allgemeine Erheiterung war die Reaktion. Dann nahm ich meine Urkunde in Empfang, bedankte und verabschiedete mich. Dann fuhr ich zurück nach NRW.
Basierend auf den vorgenannten Erfahrungen in meiner Heimatstadt und durch die Feuerwehrschule Feurex in Bayern, schloss ich mich 2014 nach einem beruflichen Umzug ins Ruhrgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Recklinghausen LZ Suderwich an.
Die Ausbildung und auch der aktive Dienst danach machten mir große Freude. Als Atemschutzgeräteträger wurde ich immer wieder auch im Innenangriff eingesetzt und kam dem Element näher als jedem Normalbürger lieb wäre. Noch heute bin ich den Kameraden in Recklinghausen für diese Zeit sehr dankbar und fühle mich dem LZ Suderwich auch heute noch irgendwie verbunden.
Im Rahmen der Grundausbildung fuhren wir im August 2016 nach Dortmund, um dort an der DMT ein ganz besonderes Feuerwehrtraining zu erhalten:
Dunkler schwarzer Rauch quoll aus dem Container, über den der Zugang zum unterirdischen Brandtunnel erfolgte. Ein letzter Check des Luftvorrats mit Rückmeldung an die Atemschutzüberwachung. 300 bar – der Druck war in Ordnung. Nachdem wir angeschlossen hatten, stiegen wir ein in diese Nebelsuppe, um die Treppe nach unten zu suchen. Nur einen Meter später war es schwarz. Die Sicht gleich Null. Langsam tasteten wir uns vorwärts und stiegen dann die Treppe hinab.

Wir gingen in einem Trupp von drei Mann vor und blieben stets dicht beieinander. Plötzlich kamen wir an eine Tür, die wir vorsichtig öffneten. Auch dahinter das gewohnte Bild. Eine schwarze Finsternis, welche die Hand selbst 10 cm vor dem eigenen Auge nicht würde erkennen lassen.
Allerdings wurde es zunehmend wärmer. Wir näherten uns also langsam dem Feuer. Verriet uns die Wärme, dass wir noch ein paar Meter zu gehen hatten, konnten wir das Tosen der Flammen so laut hören, als wären wir unmittelbar davor. Ein bizarres Gefühl machte sich in mir breit, aber ich freute mich darauf, dem Feuer gleich zu begegnen.
Dann ein Funkspruch mit der Aufforderung unseren Luftdruck mitzuteilen. Anschließend rückten wir weiter vor und es wurde immer wärmer und heißer. Nachdem wir linker Hand um eine Ecke bogen, war die Sicht plötzlich klar. Wir hatten die Brennkammer erreicht. Meterhoch loderten die Flammen zur Decke und die Hitze war jetzt extrem. Es war, als wären wir in der Hölle angekommen. Das Gefühl und den Anblick der Flammen in diesem Moment werde ich nie vergessen.
Nun trainierten wir unsere Strahlrohrtechniken bevor wir wenige Minuten später den Tunnel wieder verlassen mussten, da unser Luftvorrat zur Neige ging. Draußen angekommen legten wir die Atemschutzgeräte ab. Die Welt da unten im Brandtunnel war eine andere. Wie sich später in realen Einsätzen herausstellte, eine Übung, die perfekt auf den Ernstfall vorbereitete. Die Kulisse und Geräusche im Brandtunnel bzw. beim Innenangriff sind extrem beeindruckend. Niemand, der so etwas nicht selbst erlebt hat, wird dies jedoch verstehen können.
Schon damals, 2011 nach dem Erlebnis mit dem Firefighter Skyrun in Düsseldorf, war für mich klar, dass ich diese Art von Sport auch machen wollte. Nachdem ich also Mitglied einer Feuerwehr war, nahm ich parallel zum Einsatzdienst zunächst mit Kameraden aus meiner Heimatstadt Menden an Treppen- und Ausdauerläufen teil.
Später lernte ich bei meinem Training an der Treppe der Halde Hoheward durch Zufall einen Kameraden einer benachbarten Feuerwehr der Stadt Herne kennen. Er war Mitglied im dortigen TFA-Team und durch diesen Kontakt schloss ich mich auch der Herner Gruppe an. Nun trainierte ich gemeinsam mit den Kameraden aus Herne (Wanne-Eickel).
Ob Treppen- oder Ausdauerläufe - Wir waren gerne mit dabei und obwohl es stets anstrengend war, war es ein geiles Gefühl. Ein ganz besonderer Dank gilt meinen beiden Mentoren im Feuerwehrsport A. Stüken und D. Hölken!!
Inzwischen bin ich wieder in meiner Heimatstadt Menden angekommen und auch hier wieder aktiv. Meine erste Herausforderung war der Help-Stairs-Run am 17. März 2024 im Sauerlandpark in Hemer. 3 Std. lief ich dort in Einsatzkleidung mit Atemluftflasche auf dem Rücken die Treppen rauf - alles für den guten Zweck!
Was ist eigentlich Feuerwehr-Fitness?
Darunter verstehe ich ein hocheffizientes Ganzkörpertraining mit dem Schwerpunkt "Feuerwehr", welches die Komponenten Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit umfasst. Die vorgenannten Komponenten können je nach Bedarf ausgestaltet werden (z. B. in Form von Laufen oder Radfahren in Einsatzkleidung mit PA, dem Leitersteigen oder anderen feuerwehrtypischen Bewegungs- und Handlungsabläufen). Auch feuerwehrtaktische Elemente können den Inhalt einer Feuerwehr-Fitness-Einheit bilden.
Warum Feuerwehr-Fitness?
Der Körper von Feuerwehrleuten wird im Einsatz durch die unterschiedlichen Szenarien stark gefordert und belastet. Es gibt unzählig viele Einsatzszenarien, denen sich die Feuerwehr stellen muss:

Da, wo alle weglaufen, muss die Feuerwehr hin!
Die Belastung ist groß, denn die Ausrüstung wiegt ca. 20-25 kg. Hinzu kommt das Gewicht des Materials (ein Schaummittelkanister wiegt bspw. etwa 20 kg und im Einsatzfall schleppt man schnell mit jeder Hand einen und das ggf. mehrfach, wenn eine größere Menge benötigt wird). Nicht unterschätzen darf man auch äußere Einflüsse wie Hitze, Kälte, Zeitdruck und der Stress, wenn Menschen um Hilfe rufen etc.
Ein Feuerwehrmann (und natürlich auch jede Feuerwehrfrau) muss einiges leisten und sollte daher fit sein. Das Training der Feuerwehr-Fitness hilft dabei und daher stellt diese Methode eine besonders effektive Trainingsform dar. Es ist anstrengend, herausfordernd und macht gleichzeitig Spaß, denn Feuerwehr bedeutet auch Gemeinschaft und Zusammenarbeit im Team. Und was für Feuerwehrmenschen gut ist, kann auch für jeden anderen Sportler ein hocheffizientes Fitnesstraining sein...

Nach 4 Jahren in Thüringen, in denen ich kein aktives Mitglied einer Feuerwehr war, zog ich zurück nach NRW in meine Heimatstadt Menden (Sauerland).
Den ersten Übungsabend besuchte ich im Sommer 2022. Aufgrund bürokratischer Gegebenheiten dauerte es jedoch etwas, bis ich mich im Februar 2023 der freiwilligen
Feuerwehr Menden und dem LZ Mitte anschließen konnte.
Inzwischen gehe ich dort meinen Weg und nehme sowohl am Ausbildungsdienst, wie auch an Einsätzen teil. Auch die Feuerwehr-Fitness habe ich wieder aufgenommen (s. oben) und wenn möglich bin ich
auch gerne bei dem 1x jährlich stattfindenden Kreisleistungsnachweis gerne dabei.
Ich bin für all diese Erfahrungen sehr dankbar, denn sie tragen zur Erhöhung meiner Feuer(wehr)kompetenz bei.
Im Herbst 2024 sprach ich mit Michael Bals, den ich nicht nur von früheren Seminaren im Bereich Brandschutz kannte, sondern der auch früher bei der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache in Menden aktiv war. Zudem ist er seit vielen Jahren Leiter der Kinderfeuerwehr Menden. In unserem Gespräch meinte er, dass man durchaus noch weitere Betreuer brauchen könnte und ob ich nicht Interesse daran hätte.
Zwar hatte ich zuerst keine Ahnung, was diese ebenfalls ehrenamtliche Aufgabe bedeutet, aber ich wollte mir das einmal genauer ansehen und so besuchte ich die Kinderfeuerwehr (KF) bei einem Dienst und nahm Anfang 2025 beim alljährlichen Betreuertreffen zwecks Dienstplanerstellung teil.
Als Neuling übernahm ich im Jahr 2025 noch keinen Dienst, aber wirkte hier und da unterstützend mit. Inzwischen bin ich in der Kinderfeuerwehr angekommen und fühle mich auch hier sehr wohl, sodass ich ab 2026 auch die Vorbereitung und Leitung von Diensten übernehme.
Die Dienste sind bunt gestaltet, sodass die Kids (ab 6 Jahren) langsam mit dem Thema Feuerwehr vertraut gemacht werden.
Unser Fahrzeug für die Kinderfeuerwehr (s. Bild) war lange Zeit deutschlandweit einzigartig und ist inzwischen Vorbild für andere Kinderfeuerwehren geworden. Dabei verfügt unser KF-HLF nicht nur über Blaulicht und Sondersignal, sondern auch die feuerwehrtechnische Beladung ist einem großen HLF nachempfunden.
Die Kids haben Westen mit den sie zwischen Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp, sowie Melder, Maschinist und Gruppenführer unterschieden werden können. Auch im Bereich Atemschutz haben die Kids ihre eigenen Flaschen, die sie authentisch wirken lassen. Darüber hinaus gibt es Schlauchmaterial, Verkehrsleitkegel usw.
Klar, dass bei einer solchen Ausstattung der Dienst gleich doppelt viele Freude bereitet und das natürlich nicht nur den Kids, sondern auch uns Betreuern.
